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Veranstaltungshinweis (1)

Europäischer Protesttag:

Pressemitteilung des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes

„Menschen mit Beeinträchtigungen sollen selbstbestimmt leben und an unserem gesellschaftlichen Alltag teilhaben können“, sagt Kerstin Tack, Vorsitzende des Paritätischen Niedersachsen, anlässlich des 30. Internationalen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen am 5. Mai 2022. „Dafür brauchen wir die richtigen Rahmenbedingungen. Dazu gehört, Menschen mit Behinderungen die individuelle Unterstützung zukommen zu lassen, die sie benötigen und wünschen. Der Fachkräftemangel bremst diese Bestrebungen allerdings aus. Die nächste Landesregierung muss deshalb schnell die Schulgeldfreiheit auch in der Heilerziehungspflege einführen. Dies ist ein zentraler Baustein, um die Ausbildung in diesem Bereich der sozialen Arbeit wieder attraktiver zu machen und dafür zu sorgen, dass wieder mehr Menschen in diesen sinnstiftenden Beruf einsteigen.“

In den vergangenen Jahren sind die individuellen Rechte von Menschen mit Behinderungen deutlich gestärkt worden. Im Jahr 2009 ratifizierte Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention, 2017 trat dann das Bundesteilhabegesetz (BTHG) in Kraft. „Das BTHG verkörpert einen Paradigmenwechsel“, sagt Kerstin Tack. „Nicht die Behinderung des Menschen steht im Fokus, sondern die Rahmenbedingungen, die Menschen an der uneingeschränkten Teilhabe in den verschiedenen Lebensbereichen behindern. Die Inklusion wird damit als Menschenrecht gewertet, das in allen Bereichen unserer Gesellschaft gilt.“ Die Eingliederungshilfe soll demnach von der Idee einer gesellschaftlichen Fürsorge hin zu einem Dienstleistungsgesetz entwickelt werden. Barrierefreiheit und technische Hilfsmittel zur Inklusion sowie politische und gesellschaftliche Mitsprache- und Beteiligungsmöglichkeiten spielen dabei eine wesentliche Rolle. „Mit dem Niedersächsischen Behindertengleichstellungsgesetz und der Einrichtung des Kompetenzzentrums Barrierefreiheit haben wir hier schon große Fortschritte gemacht“, sagt Kerstin Tack. „Diesen Weg gilt es konsequent weiterzuverfolgen.“

Den Kern des Bundesteilhabegesetzes macht allerdings der individuelle Rechtsanspruch auf eine Assistenz dort, wo es nötig ist, aus. „Diese Assistenz müssen wir als Gesellschaft in allen Lebensbereichen sicherstellen“, sagt die Vorsitzende des Paritätischen. Für viele Aufgaben in diesem Bereich ist allerdings ein spezifisches Fachwissen Grundvoraussetzung. Dieses Fachwissen erwerben junge Menschen in der Ausbildung zum*zur Heilerziehungspfleger*in. Der Fachkräftemangel ist hier wie in vielen sozialen Bereichen längst deutlich zu spüren. „Und wenn wir an den Arbeits- und Ausbildungsbedingungen nichts ändern, wird er noch zunehmen“, sagt Kerstin Tack. So sind die Ausbildungszahlen in der Heilerziehungspflege in den vergangenen Jahren um etwa ein Viertel zurückgegangen. Das hat auch damit zu tun, dass in der Heilerziehungspflege, als einem der letzten Ausbildungsberufe, noch Schulgeld gezahlt werden muss. „Die Schulgeldfreiheit ist ein wichtiger Baustein, um die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen dauerhaft sicherzustellen. Gleichzeitig muss daran gearbeitet werden, das Berufsfeld noch bekannter zu machen und eine Gesamtstrategie für die Fachkräftesicherung in der Sozialen Arbeit in Niedersachsen zu entwickeln“, so die Vorsitzende des Paritätischen Niedersachsen.

Der Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen findet am 5. Mai 2022 bereits zum 30. Mal statt. Die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben hat ihn 1992 zum ersten Mal organisiert. Bei diesem Aktionstag kämpfen Aktive jedes Jahr am 5.Mai für Inklusion und Teilhabe. In diesem Jahr steht lautet das Motto „Tempo machen für Inklusion – barrierefrei zum Ziel“.

Paritätischer Wohlfahrtsverband Niedersachsen e.V. | Gandhistraße 5a | 30559 Hannover

www.paritaetischer.de | Tel.: 0511.52486-393 (Starkebaum), -326 (Kreuzer)




Demo für Inklusion: Wir waren dabei!









Mehr zur Inklusionswoche gibt es hier:

ol-inklusiv – Oldenburger Aktionsbündnis 5. Mai

5. Mai

Zum Europäischen Protesttag der Menschen mit Behinderung ist es der Bundesvereinigung Lebenshilfe ein besonderes Anliegen, auf die Menschen mit Beeinträchtigung in bzw. aus der Ukraine aufmerksam zu machen:

Medienmitteilung zum Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung am 5. Mai 2022

Lebenshilfe: Europa muss im Ukraine-Krieg Menschen mit Behinderung stärker in den Blick nehmen

Berlin. Anlässlich des Europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung am 5. Mai fordert die Bundesvereinigung Lebenshilfe von Europa, Menschen mit Behinderung im Ukraine-Krieg stärker in den Blick zu nehmen. Bundesvorsitzende Ulla Schmidt erklärt: „Menschen mit Behinderung und ihre Familien leiden ganz besonders unter den Folgen des Krieges. Viele verlieren nicht nur ihr Zuhause und ihre Heimat. Über Jahre erzielte Fortschritte werden zunichte gemacht, weil Einrichtungen der Behindertenhilfe zerstört sind und Förderangebote von heute auf morgen eingestellt werden müssen.“

Umso wichtiger sei es, dass geflüchtete Menschen mit Behinderung sofort wieder die notwendige Förderung erhalten und die Kosten dafür von allen europäischen Ländern unbürokratisch übernommen werden. „Als Lebenshilfe“, so die frühere Gesundheitsministerin weiter, „stehen wir an der Seite der ukrainischen Flüchtlinge mit Behinderung. Von Anfang an leisten unsere Lebenshilfe-Vereine vor Ort aktive Unterstützung.“

Mehr zu den Hilfs- und Unterstützungsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung aus der Ukraine ist auf der Webseite www.lebenshilfe.de zu finden.