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Qualitätsmanagementhandbuch der SELAM-Lebenshilfe gGmbH

Inhalt

Einleitung

Speziell in der Arbeit mit Menschen mit Beeinträchtigung muss die Tätigkeit fortlaufend analysiert und reflektiert werden, damit vereinbarte Ziele eingehalten und das selbstbestimmte Leben der KundInnen gewährleistet werden kann. Der kommunikative Austauschprozess stellt hierbei das zentrale Bindeglied in der Arbeit innerhalb unserer gemeinnützigen Gesellschaft dar, ohne den kontinuierliche Verbesserungsprozesse nicht möglich sind.

Rahmenbedingungen unserer Arbeit:
Sozialpolitischer externer Kontext unseres Handels

Was ist Qualität?

  • Qualität misst sich am Grad der Übereinstimmung zwischen definierten Ansprüchen/Zielen (s. o. Vorgaben in Form von Struktur-, Prozess-, Ergebnisqualität) sowie den KundInnenerwartungen (SOLL) und erreichten Ergebnissen/Merkmalen/Eigenschaften (IST) unserer Dienstleistungen. 
  • Qualität wird von den KundInnen her definiert. KundInnen sind dabei alle, die unsere Dienstleistung empfangen; es geht also um die KundInnen, deren Erwartungen und Einschätzungen von Qualität systematisch in den Hilfebedarfsgesprächen ergründet werden müssen.
  • Qualität wird in den Leistungsprozess eingebaut. Mögliche Fehler und Qualitätsdefizite sind auf allen Stufen der Erstellungsprozesse zu vermeiden, statt sie am Ende – oft erst nach der Inanspruchnahme – zu ermitteln (z. B. durch KundInnenbefragung). Durch ablauforganisatorische und personelle Maßnahmen sind einzelne Prozesse so zu gestalten, dass sie das Erkennen bzw. Vermeiden von Fehlern wie auch Verbesserungsaktivitäten erleichtern und zur Optimierung des Gesamtprozesses beitragen (z. B. durch Befragungen oder Reflektion durch Arbeitsgruppen). 
  • Qualität ist Resultat des effektiven Zusammenwirkens aller. Erforderlich sind hierfür intensive Kooperation und Kommunikation oft zwischen verschiedenen Arbeitseinheiten auch über Organisationsgrenzen hinweg (z. B. der Bereiche Wohnen und Arbeit). Eine kundInnenorientierte (personzentrierte) Form der Aufgabenintegration sowie entsprechende Qualifizierungsmaßnahmen für die MitarbeiterInnen sind auf allen Ebenen erforderlich (z. B. gleiche Arbeitsqualität und -haltung bei Fachkräften in unterschiedlichen Arbeitsbereichen). 
  • Qualität erfordert kontinuierliche Verbesserung. Die sich wandelnden KundInnenpräferenzen und Rahmenbedingungen der Dienstleistungserstellung verlangen eine fortwährende Verbesserung der Ergebnisse über die Optimierung von Reingaben („Inputs“), Arbeitsprozessen und -strukturen. Qualitätsmanagement organisiert Prozesse der kritischen Überprüfung und Verbesserungsvorschläge.
  • Qualität kann nur anhand konkreter qualitativer und/oder quantitativer Qualitätsmerkmale gemessen werden. Um beurteilen zu können, ob es sich dabei um eine „gute“ oder eine „schlechte“ Qualität handelt, muss klar sein, nach welchem Maßstab die Qualität gemessen wird. Weder für die Qualitätsmerkmale noch für die Maßstäbe stehen im Sozialbereich ausreichend differenzierte Kriterien zur Verfügung. Qualitätsentwicklung in diesem Bereich bedeutet deshalb immer auch die Verständigung über die Qualitätskriterien und den Bewertungsmaßstab sowie die Entwicklung eines geeigneten Bewertungsinstrumentariums (z. B. durch zielgruppenadäquate Befragungsinstrumente und Befragende).

Die Ziele der Qualitätsentwicklung:

  • KundInnenzufriedenheit
  • MitarbeiterInnenzufriedenheit
  • Öffentliche Anerkennung
  • Positive Geschäftsergebnisse

Qualitätsmanagementsystem (QM-System)

Der Begriff „Qualitätsmanagement (QM)“ verdeutlicht, dass Qualitätsentwicklung eine Managementaufgabe ist, die zuallererst die Führungs- und Leitungsebene einer Organisation fordert. Ein klares Bekenntnis der Führung, die Klärung von Verantwortlichkeiten sowie die Bereitstellung der notwendigen Ressourcen müssen am Beginn der Entwicklungen stehen.

  • Fachlich qualifizierte Dienstleistungen in einer gut organisierten und geführten Organisation durch kompetente und freundliche MitarbeiterInnen kommen zuallererst den betroffenen Menschen zugute.
  • Es wird der Intention des Gesetzgebers entsprochen und gleichzeitig wird es einfacher, den Leistungsträgern zu vermitteln, was diese für das eingesetzte Steuergeld bekommen. Die Wirtschaftlichkeit der Leistungserbringung und die Qualität der vereinbarten Leistungen werden transparent. 
  • Die für jede Dienstleistung elementaren Komponenten Leistung, Qualität und Vergütung, die früher relativ unabhängig voneinander betrachtet und verhandelt wurden, kommen durch die Einführung eines QM-Systems in einen nachvollziehbaren Zusammenhang. 
  • Der Verständigungsprozess über qualitative und quantitative Qualitätsmerkmale sowie -standards, auch zwischen mehreren Leistungserbringern, wird durch eine systematische Qualitätsentwicklung verbessert. 
  • Mit einem funktionierenden und überprüften QM-System werden Organisationshaftungsrisiken wesentlich reduziert.
  • Durch das breit angelegte Engagement im Bereich der Qualitätsentwicklung sammelt der Spitzenverband Erfahrungen und erhält wichtige Kenntnisse für die sozialpolitische Diskussion und die Verhandlungen mit den Leistungsträgern (Landesrahmenverträge).

Dokumentation

Qualitätsmanagementbeauftragte/r (QM-B)

  • Sachliche Vorbereitung der Lenkungsausschuss-Treffen und Qualitätsgremien in Abstimmung mit der Geschäftsführung,
  • Schnittstelle von QM-Themen zwischen Geschäftsbereichen und Ebenen (Information, Vorbereitung, Vermittlung),
  • Ansprechpartner/in für Leitungskräfte sowie Arbeitsgruppen und Qualitätsgremien,
  • Vorbereitung und Teilnahme an Qualitätsgremien und Arbeitsgruppen (Moderation, methodische Begleitung, fachliche Impulse, …),
  • Mitglied im Arbeitsschutzausschuss (ASA),
  • Regelmäßige Informationsgespräche mit der Geschäftsführung.

Qualitätsverständnis

  • Qualität als Eigenschaft einer Dienstleistung
    Die Eigenschaft „gut“ oder „schlecht“ oder auch dazwischen liegende Wertungen beschreiben das Maß an Übereinstimmung zwischen den KundInnenanforderungen und den tatsächlichen Merkmalen. KundInnenerwartungen und tatsächlich wahrgenommene Leistungen werden abgeglichen (Grad der Wirksamkeit). Hierbei stellt sich die Frage nach den Kriterien und teilweise subjektiven Maßstäben, die aus den individuellen Perspektiven der jeweils Beurteilenden, ihren Interessen und ihren Wertesystemen abgeleitet werden. 
  • Qualität als subjektive und interessengebundene Kategorie
    Die subjektive Einschätzung der Arbeit ist abhängig von den Perspektiven der beurteilenden Person. Hierzu zählen deren Interessen, Wissen und Vorerfahrungen. Unterschiedliche Interessengruppen wie KundIn, Leistungsträger, Angehörige, etc., kommen interessengeleitet somit zwangsläufig zu einer differierenden Bewertung der Arbeit. Aushandlungsprozesse zwischen den Beteiligten sind daher unumgänglich. Um zu einem wirklichkeitsnahen Urteil über die Qualität einer Dienstleistung zu kommen, ist die Einbeziehung aller relevanten Perspektiven in den Beurteilungsprozess erforderlich.
  • Qualität als wertbezogene Kategorie
    Nicht nur unterschiedliche Perspektiven prägen Qualitätsmaßstäbe, denn in diesen drücken sich normative Wertsetzungen aus. Wenn Qualitätskriterien formuliert werden, dann müssen gleichzeitig die Werte und die sich daraus ergebenden Leitideen offengelegt werden (s. a. Leitbild).
  • Qualität als dynamische Kategorie
    In den letztlich unbestimmten Zielbegriffen (s. 1.) ist begründet, dass, egal auf welchem Niveau der Leistungserbringung man sich befindet, eine weitere Verbesserung immer noch möglich ist. Die „Produktion“ einer Dienstleistung ist als Prozess zu sehen, dessen Ablaufschritte und ihr Ineinandergreifen kontinuierlich im Fluß sind. Für unsere Arbeit ist es daher wichtig, ein internes Qualitätsverständnis zu entwickeln, das sich der Herausforderung des „kontinuierlichen Verbesserungsprozesses“ (KVP) stellt. Mit dem Begriff der Qualität verbinden sich ein Eigenanspruch und ein Fremdanspruch. Qualität ist das Maß, in dem die „konzeptionellen Versprechungen“ und die konkreten Vereinbarungen, die den Nutzern der Dienstleistungen, den Leistungsträgen und der Öffentlichkeit gegenüber gemacht werden, eingehalten werden.

Qualitätssicherung

  • Strukturqualität, d. h. die einem Leistungserbringer konstant zur Verfügung stehenden Mittel und Ressourcen, wie Personal, Ausstattung, Aufbauorganisation, Bedingungen des Hilfesystems, Finanzierung, u. a.  
  • Prozessqualität, d. h. Art, Inhalt und Umfang aller im Rahmen der vereinbarten Dienstleistungen für die KundInnen erbrachten Tätigkeiten, und
  • Ergebnisqualität, d. h. die Summe der erbrachten Leistungen und deren Wirkungen auf die KundInnen.
  • Konsistenz: Standards müssen ohne Einschränkungen in allen Diensten derselben Ausrichtung (z. B. in allen AzTs/KundInnenverhältnissen) anwendbar sein,
  • Flexibilität: Standards müssen ausreichend flexibel sein, um Innovationen zu ermöglichen und individuellen Bedürfnissen Rechnungen zu tragen,
  • Klarheit: Standards müssen klar formuliert und leicht verständlich sein,
  • Überprüfbarkeit: Standards müssen über Indikatoren (Kennwerte) überprüfbar sein.