Qualitätsmanagement
Qualitätsmanagement-Handbuch der SELAM-Lebenshilfe gGmbH
Das Qualitätsmanagement (QM) ist ein wichtiger Bestandteil in unterschiedlichen Branchen und Betrieben. Es ist sowohl im Handwerk und in der Industrie als auch in der Pädagogik eine maßgebliche Grundlage der täglichen Arbeit. In den beiden erstgenannten erfolgt das QM hauptsächlich über DIN ISO-Zertifizierungen, wohingegen Modelle, welche überwiegend auf der kommunikativen Ebene stattfinden, eher in der Pädagogik zu finden sind. Dies liegt daran, dass sich Pädagogik schwer an Standards messen lässt. Eine pädagogische Dienstleistung lässt sich nicht mit einem Produkt aus dem Handwerk oder der Industrie vergleichen, da die Dienstleistungen auf immaterieller Ebene erfolgen.
Die Qualitätspolitik der SELAM-Lebenshilfe orientierte sich bislang hauptsächlich an unserem Leitbild. Am wichtigsten sind die Akzeptanz, das Verständnis und die Achtung für die KundInnen. Ebenfalls gelten Eltern, Geschwister und gesetzliche BetreuerInnen als ExpertInnen für die jeweiligen Betroffenen. Die Zufriedenheit unserer MitarbeiterInnen spielt für uns darüber hinaus eine große Rolle, weshalb regelmäßig Beteiligungsmöglichkeiten, z. B. in Form von Befragungen, stattfinden. Generell ist es für uns besonders wichtig, eine offene Kommunikation zu pflegen, welche über hierarchische Grenzen hinweg ermöglicht und praktiziert wird (sog. Gegenstromverfahren bzw. top-down versus bottom-up).
In der Sozialen Arbeit ist der direkte Austausch zwischen den MitarbeiterInnen und den KundInnen ein unerlässliches Mittel, um die individuelle Ressourcenförderung der Betroffenen zu gewährleisten. Hierzu können und sollen die MitarbeiterInnen ihre persönlichen Stärken mit in die Arbeit einfließen lassen und somit die Qualität derselben stetig verbessern. Das Instrument der Unterstützen Kommunikation kann hierbei zudem dienlich sein, um den KundInnen adäquat zu begegnen.
Die drei pädagogischen Leitziele Personzentrierung, Sozialraumorientierung und persönliche Zukunftsplanung stecken den Rahmen für die pädagogische Arbeit in allen Geschäftsbereichen. Um diese Ziele zu erreichen, bedarf es neben der schon erwähnten offenen Kommunikation einiger weiterer Qualitätskriterien, deren Einhaltung es stets zu beachten gilt.
Die für uns wichtigsten sind: standardisierte Dienstbesprechungen, regelmäßige Fortbildungen, Digitalisierung der Geschäftsprozesse, Inklusion als Haltung praktizieren, Schaffung einer effektiven und effizienten Organisations- und Tätigkeitsstruktur sowie Gewährleistung einer dauerhaften Prozessbegleitung durch die Verantwortlichen.
Speziell in der Arbeit mit Menschen mit Beeinträchtigung muss die Tätigkeit fortlaufend analysiert und reflektiert werden, damit vereinbarte Ziele eingehalten und das selbstbestimmte Leben der KundInnen gewährleistet werden kann. Der kommunikative Austauschprozess stellt hierbei das zentrale Bindeglied in der Arbeit innerhalb unserer gemeinnützigen Gesellschaft dar, ohne den kontinuierliche Verbesserungsprozesse nicht möglich sind.
Um diese zu erwirken, ist eine Arbeitsweise und Haltung erforderlich, welche die Mitarbeiter-Innen von Beginn an in die Entstehungsprozesse des QM einbindet. Dies wird erreicht, indem sich zu jedem zu erarbeitenden Qualitätsstandard eine eigene Arbeitsgruppe, bestehend aus MitarbeiterInnen der relevanten Arbeitsbereiche, zusammenfindet. Die erarbeiteten Standards und Qualitätsziele müssen fortlaufend reflektiert und ggf. angepasst werden. Somit stellt das QM einen Prozess dar, der nie endet, sondern stets erweitert und verbessert wird. Das System lebt davon, dass die MitarbeiterInnen dieses fortlaufend praktizieren und auf anstehende Veränderungen frühzeitig aufmerksam machen.
Es handelt sich somit um ein Optimierungsverfahren, welches in erster Linie die Arbeitsqualität und damit die Zufriedenheit der KundInnen dauerhaft verbessert. Gleichzeitig steigert diese Vorgehensweise die Zufriedenheit der beteiligten MitarbeiterInnen durch sinnstiftende, da wirksame Arbeit, wodurch nicht zuletzt auch eine Verbesserung des Betriebsklimas als internem Arbeitskontext erreicht wird.
Dem im Folgenden aufgezeigten enormen sozialpolitischen Spannungsfeld soll unser profundes QM entgegenwirken und dabei helfen, den dargestellten offensichtlichen Widerspruch zwischen den verbrieften Rechten der Betroffenen (UN-Behindertenrechtskonvention; Bürgerliche Grundrechte) und faktisch zunehmend anspruchsvolleren Rahmenbedingungen durch professionelles Handeln sowie einer wertschätzenden Haltung zu begegnen.
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